Gesundheitspolitik: Kopfpauschale light?
Die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass mehrere gesetzliche Krankenkassen die Einführung eines Zusatzbeitrags planen, weil sie mit den Mitteln des Gesundheitsfonds nicht auskommen. Erhoben werden pro Versicherten und Monat wohl 8 Euro – die größte gerade noch erlaubte Summe, die die Kassen eintreiben dürfen, ohne eine einzelfallbezogene Einkommensprüfung durchführen zu müssen und so einen Großteil des Geldes gleich wieder für Verwaltungsaufwand auszugeben. Damit zeigt sich, dass der erst 2009 eingeführte Gesundheitsfonds nicht in der Lage ist, die Finanzierung der Krankenversicherung in Deutschland zu leisten. Seit der Reform gibt es einen einheitlichen und staatlich festgelegten Beitrag, der vom Arbeitgeber bzw.
den Rentenversicherungsträgern direkt an den Gesundheitsfonds abgeführt werden. Von dort aus werden dann genau definierte Beiträge pro Versichertem an die einzelne Versicherung ausgeschüttet – je nachdem, welches Risiko der Versicherte hat. Zusätzlich fließen jedes Jahr mehrere Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt in das Gesundheitssystem. In Summe ist das System in Deutschland eines der Teuersten weltweit, leider sind wir jedoch nicht signifikant gesünder als andere Nationen – es ist also ineffizient.
Mit dem angekündigten Zusatzbeitrag scheint sich ein später und leiser Triumph der bereits im Vorfeld der Reform, die den Gesundheitsfonds brachte, von der CDU/CSU geforderten Kopfpauschale abzuzeichnen. Diese sah vor, dass jeder Versicherte, vom 400-Euro-Jobber bis zum Spitzenmanager den gleichen Beitrag zahlt. Dies war im Wahlkampf 2005 dermaßen unpopulär und zu den Bürgerversicherungplänen der SPD konträr, dass nur der heute umgesetzte Kompromiss verwirklicht werden konnte. Doch wie sollte das System aus ökonomischer Sicht aussehen?
Grundprinzip sollte ein wettbewerblich organisiertes System sein, das keine Einheitssätze, Budgets oder Beschränkungen bei der Arzneimittelwahl kennt. Stattdessen wäre ein System anzuraten, das verursachungsgerecht das Risiko eines jeden Versicherten in einen individuellen Beitrag umrechnet: Der Eine raucht, die Nächste ißt ein wenig zu viel und der Dritte hat einen angeborenen Herzfehler. Alles unterschiedliche Risiken, die unabhängig vom Einkommen des Versicherten bestehen und somit auch davon komplett unterschiedlich berechnet werden sollten. Genauso wird es ja auch schon bei anderen Versicherungstypen gemacht – der Beitrag Ihrer Berufsunfähigkeitstversicherung berechnet sich aus Ihrem individuellen Risiko. Dadurch wird es zwar zu der Situation kommen, dass es Menschen gibt, die durch Schicksalsschläge über Gebühr belastet werden und sozial nicht in der Lage sind, den gerechten Beitrag zu zahlen. Das ist ein Fall für die Politik – wenn die Gesellschaft in Form ihrer gewählten Vertreter beschließt, dass niemand mehr als x Euro pro Monat / x % des monatlichen Einkommens bezahlen sollte, so muss es zu einem Ausgleich aus Steuermitteln kommen. Nur so kann es langfristig zu einer gerechten Finanzierung der Krankenversorgung kommen, ohne dass es immer wieder zu Finanzierungslücken kommt.
Auch auf der Ausgabenseite muss es zu Veränderungen kommen – Geld, das man nicht ausgibt, muss man schließlich auch nicht ausgeben. Idealerweise sollten noch bestehende Effizienzreserven gehoben werden, fraglich ist etwa, warum es bei nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten keinen Wettbewerb zwischen Versandapotheken und ortsansässigen Apotheken geben soll.
Dass die Gesundheitspolitik ein Minenfeld ist – und zwar nicht nur in Deutschland – sieht man in den USA, wo Präsident Obama und seine demokratische Partei gerade eine Wahl in Massachusetts und somit die entscheidende Stimme im US-Senat verloren hat. Damit wird er große PRobleme haben, seine Gesundheitsreform umzusetzen, die wohl ein Hauptgrund für Obamas Wahlsieg im vorvergangenen Jahr war.
Herr Rösler hat also wahrlich keine leichte Aufgabe.
